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Rezension Schalke Unser Nr. 56 - Dezember 2007

Erzählen macht aus Zeit Sinn, besagt eine alte Binsenweisheit. Und wenn das so stimmt, muss es trotz sportlichen Niedergangs eine unglaublich geile Sache sein, dem Chemnitzer FC verfallen zu sein. Norman Schirmer erzählt uns die ungeschminkte Geschichte seines als FC Karl-Marx-Stadt geborenen Vereins. Engagiert, kenntnisreich, gewalttätig - sowas liest sich wie eine Boulevardzeitung.
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Rezension Schachtscheisser - Ausgabe 52 - Dezember 2007

[ ... ] Einmal heißt es, man sollte seine Gegner immer im Auge behalten, egal wo sie derzeit rumkrebsen, und zweitens ist es ein Werk geworden, was nicht so recht in die Schiene der kommerziellen Fußballbücher passt, aber dazu später mehr.
Es kommt schon gut daher, eine äußere Aufmachung, welche sofort zeigt, dass es um den FCK und seinem heutigen Nachfolger geht, handlich als Paperback auf normalem Papier und damit ein echter Gebrauchsgegenstand, nicht wirklich was für die Vitrine. 280 Seiten voller Geschichten und Begebenheiten aus dem Fußballalltag rund um den FCK / CFC [ … ]
Was einem Fußballfan beim ersten Durchblättern sofort auffällt: es gibt keine Statistiken oder Tabellen, und das ist auch gut so. Solche kann man heute überall finden und die wirklich spannenden Sachen fallen dabei hinten runter. Dafür Fakten aus dem wahren Leben der Schlachtenbummler, und hier bin ich an einem Punkt angekommen, wo ich sagen muss: feinste Fußballkost, die ein Fan verschlingt. [ … ] Aus diesem Buch spricht die Seele eines Fußballfans, und das beeindruckt. Es wird nichts geschönt und nichts ausgelassen. Schon gar nicht der Erzfeind. […] spätestens da wird klar, dass es sich um ein vom Herzen des Autors geschriebenes Werk handelt. Nur ein echter Fan einer Mannschaft – egal ob Kreisklasse, Oberliga oder Bundesliga kann so seine Emotionen ausdrücken wie in dem folgenden Artikel. Ihm geht es nicht um Kommerz, um saubere oder massenkonforme Inhalte (der Chemnitzer Verlag hat übrigens abgelehnt, dieses Buch zu verlegen) Nein, es geht „…in diesen gottverdammten Schacht, nach Hinterlößnitz“
Summa Summarum kann ich nur sagen – absolut lesenswert für jeden Fußballverrückten, auch oder gerade für den Erzfeind. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt des Erscheinens: nicht wie viele solcher Werke zu Zeiten höchster Erfolge, sondern während der CFC in Liga 4 um das nackte Überleben kämpft. Ein Buch für Eingefleischte also, was (vielleicht genau) deswegen ebenso lesenswert für Andersfarbene ist.
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Rezension Stadionwelt - Online-Magazin - Oktober 2007

Mit dem Buch „Bin beim Club“ erzählt Autor Norman Schirmer die Geschichte des Chemnitzer FC – und seiner Fans. 1966 als FC Karl-Marx-Stadt gegründet, wurden die Himmelblauen vor 40 Jahren sogar Meister in der DDR-Oberliga.

Neben zahlreichen Anekdoten aus dem Fußballleben des FCK- beziehungsweise CFC-Anhangs bietet „Bin beim Club – Der Chemnitzer FC und seine Fans“ auch eine Vielzahl von Kurvenbildern. Wer sich für einen Fußballverein interessiert, der auf bewegte Tage zurückblicken kann, liegt mit „Bin beim Club“ vollkommen richtig. Hier wird – wie bei Vereinsbüchern leider häufiger der Fall – die Komponente Fan nicht außer Acht gelassen.
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Chemnitzer Morgenpost, 09.10.07


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Buchrezension Die-Fans.de - Oktober 2007

Der Großteil der Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, die ich in den vergangenen Monaten in den Händen hielt, haben mittlerweile tragende Rollen in unserem Büro übernommen – schiefe Böden müssen eben ausgeglichen werden und nichts ist bekanntlich nerviger wie ein schlecht schließender Schrank oder kippelnde Tische. Viele Werke wirkten, als wenn die Verlage rund um die WM nur das schnelle Geld machen wollten.

Als dann vor ein paar Tagen wieder einmal ein dicker Umschlag auf meinem Tisch landete, schaute ich mich bereits nach einem geeigneten ‚Arbeitsort’ für dessen Inhalt um. Dass diesem Buch dieses Schicksal erspart blieb, hatte es vor allem dem Umstand zu verdanken, dass es auf den ersten Blick authentisch wirkte. Nicht nur die gut gewählten Titelfotos auch der Name des Autors, Norman Schirmer, versprachen Qualität und einen ehrlichen Rückblick auf vergangene Fußballjahrzehnte. So öffnete ich den Deckel von ‚Bin beim Club – Der Chemnitzer FC und seine Fans’ und wurde nicht enttäuscht.

Mit interessanten Anekdoten und Bildmaterial, sowie Kopien aus Programmheften und Stasiakten gelang es Schirmer mich an sein Werk zu fesseln, auch wenn ich bisher nicht sonderlich viel mit dem FCK bzw. CFC zu tun hatte. So findet sich auf den 280 Seiten unter anderem die Eingabe eines Stasimitarbeiters vom 3. April 1978, in der sich selbiger beklagt, dass die ‚bösen’ Anhänger des FC Karl-Marx-Stadt „in Sprechchören immer wieder ‚rotes Schwein’ und ‚Schieber’ gerufen“ hätten und weiter, dass „in der Folgezeit bis zum Spielschluss nahezu alle Schiedsrichterentscheidungen mit Pfiffen und Zwischenrufen ‚rotes Schwein’ beantwortet“ wurden. Es handelte sich übrigens um ein Heimspiel gegen den BFC Dynamo, das mit einem 0:0-Unentschieden endete. Auch ist man erstaunt, dass zur damaligen Zeit die Stadionverbote noch im Programmheft veröffentlicht und die Leidtragenden mit Namen und Anschrift benannt wurden.

Aber es geht natürlich nicht nur um die Fans. Vielmehr gelingt es dem Autor mit seinem Rückblick auf die vergangenen himmelblauen Fußballjahrzehnte die Geschichte seines Vereins aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Dabei bleibt er glaubhaft und objektiv. So erfährt man, dass sich Ex-Trainer Heinz Werner nach seiner Amtsübernahme Mitte der 80er Jahre über die schlechten Arbeitsbedingungen beklagte: „Ich denke nur daran, wie ich das erste Mal in das Ernst-Thälmann-Stadion kam und die Mannschaftskabine sah. Da war kein Fenster drin, es war dunkel. Die Spieler konnten sich in dem engen Raum nur mit Licht umziehen. Und wenn ich mich dahin stellte und etwas sagen wollte, konnte ich die Spieler gar nicht sehen. Die waren hinter ihren Schränken versteckt. So konnte ich nicht arbeiten.“

Natürlich lässt der Autor die problematischen Themen nicht außen vor, wie bei dem Rückblick auf die Fahrt zu Croatia Berlin, als die Chemnitzer merkten, dass ab Dresden die Fans von Dynamo – die am gleichen Tag zu einem Auswärtsspiel nach Babelsberg reisten – mit im Zug sitzen werden: „Das Umsteigen in Dresden verlief noch recht problemlos, wir kamen unerkannt durch die Massen. Aber schon kurz danach flogen wir auf: Irgendjemand brüllte ‚Chemnitzer im Zug!’, und los ging´s. Die Assis stürmten den Waggon und wir sprangen auf, um die Treppen zum zweiten Stock zu verteidigen. Wir sahen uns schon auf dem Bahnsteig sitzen, als der Dicke Heinrich dazwischen ging und uns den Arsch rettete: ‚Keene Dinger hier, die gehör´n heute zu uns!’“ Dem Leser werden in mehreren Anekdoten die Randerscheinungen des Fußballs authentisch vermittelt, ohne die Gewalt zu verherrlichen.

Emotional wird über die Derbys berichtet. Schirmer gelingt es, die damalige Atmosphäre auf Papier festzuhalten und für den Leser erlebbar zu machen, wie beim 3:0-Erfolg am 22. September 2001 über den Erzrivalen in Aue: „Viele packende Spiele gab es schon in der Geschichte beider Vereine, doch dieses war ganz klar eines der außergewöhnlichsten. Hier hatte man es denen richtig gegeben. An diesem Tag zahlte Chemnitz zurück. Lange Zeit hatte man Hohn und Spott, gerade aus Aue, ertragen müssen. Die vielen beschämenden Niederlagen dort, die sieglosen Jahre, all das war an diesem Tag vergessen. Chemnitz das waren heute alle - Spieler, Trainer und diese fantastischen Fans. „Es war ihr Sieg“, wie auch Trainer Matthias Schulz nach der Partie anerkennend und grundehrlich befand.

Letztlich ist es die Mischung, die dieses Buch zu dem macht, was es ist – einer Pflichtlektüre für alle Fußballfans, die auch mal über den vereinseigenen Tellerrand hinausblicken. Erschienen ist es bei ‚Books on Demand’ und kostet 22,90 Euro.
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Buchrezension CFC-Fanpage.de (August '07)

Mit seinem Erstlingswerk setzt Autor Norman Schirmer den Fans des himmelblauen Traditionsvereins ein zeitloses literarisches Denkmal. Der chronologische Anpfiff der intensiven Beschreibung des Werdegangs der Chemnitzer Fanszene liegt im Jahr 1965, als die Gründung des FC Karl-Marx-Stadt erfolgte. Der rote, pardon, himmelblaue Faden des Buches orientiert sich stets am sportlichen Werdegang des Clubs, der durch seine mäßigen Erfolge seine eigenen Fans sowohl früher als auch heute nicht gerade verwöhnt. Der literarische Abpfiff erfolgt mit Ende der Saison 2006/07, als der Chemnitzer FC - wie könnte es anders sein - knapp am Wiederaufstieg in die Regionalliga scheiterte. Weshalb es trotzdem unter den treuen Fans an jedem Wochenende heißt "Bin beim Club", wie sie diese schwierige Liebesbeziehung seit FCK-Zeiten gestalten und mit all ihren Facetten beim heutigen CFC ausleben - davon wird auf den 280 Seiten dieses Buches erzählt.

Erinnerungen von Fan-Veteranen des FCK bilden den Einstieg in die Entwicklung der Fanszene. Von langen Fahrten mit der Deutschen Reichsbahn ist die Rede, von Städten und Stadien, wo man auf seinen, meistens von Oma oder Muttern gestrickten, himmelblauen Schal und die eigene Nase sehr gut aufpassen musste, und wo man aufgrund eigener zahlenmäßiger Überlegenheit auswärts frech und frei auftrumpfen konnte. Alte Fanclubnamen wie "Basica", "Pappelhain" und "Unkraut" finden sich in den geschichtsträchtigen Zeilen wieder. Der selbst seit 20 Jahren nach Chemnitz zum Fußball fahrende Autor stellt auch einen interessanten Bezug zur gesellschaftlichen Situation in der DDR her und zeigt anhand des Beispieles BFC Dynamo auf, dass die Stadien damals auch Ventil für den Unmut gegenüber dem politischen System waren.

Ein ganz besonderes Highlight stellt das Kapitel "...steht diesbezüglich unter operativer Kontrolle" dar. Hier erfährt der Leser anhand von aufwändig recherchierten Unterlagen sachlich fundiert, wie die Stasi versuchte, die Fanszene des FCK kontrollieren, zu überwachen und "negativ-dekadente" Umtriebe zu verhindern. Einen echten Schmunzler bietet das Kapitel an jener Stelle, wo beschrieben wird, wie das System sogar gegen sich selbst arbeitete, als ein Karl-Marx-Städter Major der Staatssicherheit aufgrund abfälliger Äußerungen gegenüber dem BFC seines Postens enthoben wurde.

Die Lektüre bietet neben vielen Berichten von Zeitzeugen auch umfangreiches Bildmaterial, welches die 40-jährige Geschichte des Vereins und seiner Fanszene bunt unterstreicht. Aussagen von Trainer-Ikonen wie Heinz Werner und Hans Meyer, aber auch von himmelblauen Urgesteinen wie Joachim Müller und Ulf Mehlhorn runden das Bild zur Vereinsgeschichte bis in die heutige Zeit ab. EC-Spiele, Wendezeit, Ab- und Wiederaufstieg - all dies prägte Verein und Fans. Sehr umfangreich geht der Autor auf die in den späten 90er Jahren angesiedelte Entstehungsgeschichte der Chemnitzer Ultras ein, in deren Kreise er bis heute involviert ist und somit aus erster Hand berichten kann. In einem umfangreichen Interview mit zwei Vertretern der Ultras kann sich der Leser ein umfassendes Bild über die heutigen Matadore der CFC-Szene und deren Leitmotive machen.

Bemerkenswert ist, dass bei der Entwicklungsgeschichte der Fanszene völlig ungeschönt auch über die dunkleren Seiten des himmelblauen Umfeldes berichtet wird. Der eher zart besaitete Leser wird bei Vorkommnissen wie zum Aufstiegsspiel des CFC in Osnabrück oder bei Auswärtsspielen in Dresden, wo die Chemnitzer Hools tatkräftig in Erscheinung traten, vielleicht tief schlucken. Man sollte aber anerkennen, dass der Autor in der Gesamtheit nur das beschreibt, was er oder andere Fans rund um die Stadien an den Spieltagen erlebt haben. Der Facettenreichtum des Fußballs schließt diese Geschehnisse mit ein. Und spätestens im Kapitel "In die Mütze gebissen", wo es um die ewige Rivalität zu Wismut Aue geht, wird bei dem Satz "Der Gegner ist allein dazu da, als solch einer gesehen zu werden" vielleicht verständlich, weshalb "der Club" für viele himmelblaue Fans nicht nur die schönste Nebensache der Welt, sondern der wichtigste Bestandteil ihres Lebens ist.

Bewertung:


Lesenswert: Einhundert Prozent!

Kauftipp: Muss man haben!
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Buchrezension Blickfang Ultra (Ausgabe 4 - September '07)

[…] Allein schon solche Passagen sind für jeden, der sich nur ansatzweise für die Thematik „Fanszenen“ begeistern kann, ein absoluter Hochgenuss. Doch nicht nur auf die die nackte Fanszene geht Norman Schirmer in seinem Buch ein, sondern ausreichend beleuchtet wird auch die sportliche Entwicklung des FC Karl-Marx-Stadt bzw. des heutigen Chemnitzer FC. Für viele dürften sich diese Abschnitte abschreckend auf eine Kaufentscheidung auswirken, besonders dann, wenn man mit dem gesamten Ostfußball oder den Himmelblauen eh nicht viel anfangen kann, bedingt durch vor allem durch den eigenen Wohnort am anderen Ende der Republik. Für mich persönlich stellt das Buch jedoch eine klare Bereicherung dar. Zwar kommt es durch die Verwässerung mit den sportlichen Ereignissen nicht ganz an seiner Gegenstücke aus Leipzig („Von Athen nach Althen“) oder Dresden („Schwarzer Hals – Gelbe Zähne“) heran, aber dennoch finden sich eine Vielzahl an netten Geschichten oder Anekdoten, die das Buch nicht nur lesens-, sondern auch liebenswert machen. Wie überall sind auch hier die Geschmäcker verschieden, und vor allem Fans aus dem Raum Sachsen dürften sich durch manche Schoten oder Geschichten an frühere Zeiten erinnert fühlen und so manche Begebenheit wird wieder zum Leben erweckt und einem ins Gedächtnis zurückgerufen. Letztlich ist das Buch in der Hauptsache auch bestimmt nicht für uns gemacht, sondern vielmehr für Anhänger des CFC und die kommen durch die teilweise netten Bilder und Schilderungen, die einen Teil ihres Lebens ausmachen, mit ziemlicher Sicherheit auf ihre Kosten.
Abzüge in der B-Note gibt es für das etwas gewöhnungsbedürftige Format, was beim Lesen ziemlich stört und die teilweise lieblos aneinander gereihten Bilder. Im Endeffekt überwiegt aber, wie so oft bei solchen Arbeiten, die sich bestimmt keiner, der auch nur annähernd ein solches Projekt jemals angegangen ist, vorstellen kann, der Wille und die Mühe, die sich der Autor gegeben hat. Ein solches Buch über die Szene meines Vereins und ich würde tagelang Tränen des Glücks vergießen.
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Interview Blickfang Ultra (Ausgabe 4 - September '07)

Dein Buch stellt nun bereits das 3. Buch über eine ostdeutsche Fanszene im Reigen dar. Rührte die Idee von den anderen Büchern oder lagen die Pläne bereits in der Schublade, noch bevor überhaupt von solchen Machwerken die Rede war? (Wie kam es zu dieser Idee?)
Die Idee, ein Buch über den Club und seine Fans zu schreiben, kam mir vor reichlich 2 Jahren, als es dem CFC ziemlich beschissen ging. Ich gebe gern zu, ein Nostalgiker zu sein. Und so hat mich die Frage gequält, was von 40 Jahren FCK/CFC geblieben und aus den Fans geworden wäre, wenn sie hier die Vorstellung beendet hätten. Und diese Möglichkeit war real! Ich selbst habe 2/3 meines Lebens mit dem Club verbracht. Wohin mit all den Erinnerungen, den ganzen Erlebnissen? Und da ich seit 1998 immer mal wieder über Fußball geschrieben habe, lag es nahe, ein Buch über den Club zu schreiben. Und natürlich habe ich zwischenzeitlich auch die Bücher aus Leipzig und Dresden gelesen. Da waren die Arbeiten am eigenen Buch aber schon weit vorangeschritten.

Auffallend, auch im Gegensatz zu den zwei Werken aus Dresden und Leipzig ist, dass nicht nur die Geschichte oder die Erlebnisse der Fanszene, sondern auch die sportlichen Ereignisse auf dem Feld beleuchtet werden. Bewusste Stilabgrenzung oder steckt vielmehr die Überzeugung, dass doch beide Thematiken eng aneinander gekoppelt sind, dahinter?
Eins steht fest: Ohne den Fußball würde es die Fans nicht geben und umgekehrt. Von daher sollte das Eine nicht ohne das Andere betrachtet werden. Es gehört zusammen, ist EINS. Das stand für mich von vornherein fest. Wenn du auf deine Fankarriere zurückblickst, fallen dir ja nicht nur Holzereien oder krasse Demütigungen der gegnerischen Fans ein, sondern auch geile Spielszenen oder große Siege gegen Erzfeinde oder Topteams. Dennoch, der sportliche Rückblick im Buch ist bewusst auch aus Sicht der Fans entstanden. Er gibt den Werdegang des Vereins von den Stehrängen aus wieder, was das Ganze im Vergleich zu staubigen Sportchroniken wesentlich verdaulicher macht.

Ein Großteil der Leser wird nicht einmal im Ansatz die Arbeit die in einem solchen Projekt steckt, abschätzen können. Wie lang hast du für die ganze Sache gebraucht, beginnend von der Idee, über die Umsetzung bis hin zum endgültigen Vertrieb und wie war während dieser Zeit die Resonanz aus Chemnitz?
Wie bereits gesagt, vor über 2 Jahren kam mir Idee, mit deren Umsetzung dann auch bald begonnen wurde. Ich habe erste Texte und eigene Erinnerungen gesammelt, sortiert und zu Papier gebracht. Sämtliche FuWo-Jahrgänge von 66-92 und Berge von Programmheften liefen durch meine Hände. Das war alles unglaublich interessant. Nachdem sich das rumgesprochen hatte, dass da einer ein Buch über den Club und seine Fans schreibt, wurde ich auch phänomenal unterstützt. Vor allem von den älteren Kalibern. Private Fußballalben und -sammlungen, Presseartikel und Fotos wurden mir selbstlos zur Verfügung gestellt und viele persönliche Gespräche geführt. Da sind ganze Kofferraumladungen an Material und unzählige Stunden Interviews auf dem Diktiergerät angefallen. Die Leute waren heiß, auf so was hatten sie lange Zeit gewartet. Kurzum: Es ging über 1 ½ Jahre richtig zur Sache. Fast jeden Tag und so manche Nacht. Natürlich gab es auch Rückschläge zu verdauen. Wenn ich beispielsweise an die zwei Festplattencrash oder die Marotten eines gewissen Schreibprogramms mit vier Buchstaben denke…also da war ich manchmal kurz davor, alles aus dem Fenster zu schmeißen.

Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe ist das Machwerk nun knappe 3 Wochen auf dem Markt. Ich denke die Kritiken aus Chemnitz waren rein positiver Natur. Gab es auch Reaktionen von Vereinsverantwortlichen und wie hoch ist die Auflage?
Das Feedback aus Chemnitz ist durchweg positiv, zum Teil sogar euphorisch. Vor allem von den Fans, die längst nicht mehr in der Heimat wohnen und deshalb kaum oder gar nicht mehr dabei sein können. Ihnen hilft dieses Buch dabei, die Sehnsucht nach ihrem Verein und die sicherlich oft wehmütigen Erinnerungen an ihre Zeit auf den Rängen zu verarbeiten. Im Verein selbst haben sie recht verhalten reagiert, bislang eigentlich fast gar nicht. Aber das liegt wohl darin begründet, dass dort andere Prioritäten gesetzt werden. Beim CFC hat man einfach viel zu tun. Aber ich denke, man wird sich bei Gelegenheit schon mal auf ein Bier und ein Wurstbrötchen treffen und entspannt über die Sache reden.
Eine Auflage in diesem Sinne gibt es nicht – so wie Bedarf ist, werden Bücher gedruckt. On Demand eben. Das macht die Sache für den Verlag und für mich wesentlich entspannter.

Meinst du, dass nun entgültig eine Lawine a la England losgetreten wurde und in der nächsten Zeit mehr und mehr solcher Bücher, die sich eingehend mit dem Thema Fankultur Gestern & Heute befassen, erscheinen werden?
Ich würde das begrüßen. So was hebt die Identität der Fans, die, vor allem im höherklassigen Fußball, längst zu Statisten in einem beschissenen Spiel degradiert wurden. In England ist längst ein völlig neues Fußballzeitalter angebrochen. Die alte geile Kultur auf den Rängen ist nur noch Legende. Klar, dass man dieser nun mit Büchern huldigt. Und auch in Deutschland ist dieser Umbruch schwer im Gange und wird auch nicht aufzuhalten sein. Ob kommende Fangenerationen eines Tages mal facettenreiche und tiefgehende Bücher über ihre Zeit an der Seite eines Vereins schreiben können, ist zumindest fraglich. Dafür wurden ihre Entfaltungsmöglichkeiten meiner Meinung nach schon viel zu sehr beschnitten.
Allerdings sollte auf dem Buchsektor keine Verwässerung eintreten, wie sie in der Fanzine-Szene grassiert. Vieles von dem, was da bundesweit verbockt wird, ist ungenießbarer Schwachstrom. Der urige Charme der Anfangstage ging definitiv verloren. Trotzdem, ich kann nur jedem halbwegs befähigten Fan raten, so was anzugehen. Setzt euch hin und lasst es raus. Sich so intensiv mit Fußball und all dem, was ihn ausmacht, befassen zu dürfen, ist ein Segen. Ich für meinen Teil bin dafür unglaublich dankbar.
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