Leseprobe
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Meister werden ist nicht schwer....
Die großen Schlachten (Teil 1)

[ ... ] Dass der FCK im Jahr 1967 die Meisterschaft errang, kam nicht von ungefähr. Er spielte einfach den besten Fußball der Oberliga. Technisch beschlagen, konditionell wie geistig voll auf der Höhe und der Konkurrenz damit um Meilen voraus, schien er lange Zeit schlichtweg unbezwingbar. Selbst die hitzigsten Spiele, wie das legendäre 3:2 gegen den mit vielen namhaften Größen auflaufenden amtierenden Meister Vorwärts Berlin, brachte man am Ende souverän und vor allem siegreich über die Bühne und bemühte sich nebenbei auch noch um echten Sportsgeist. Ja, so was gab es damals noch.

In jenem Spiel, der FCK lag bereits durch ein Tor von Rolf Steinmann in Führung, gelang den Berlinern durch Kalinke in der vierzigsten Minute der Ausgleich. Doch der Ball kullerte durch ein Loch im Tornetz wieder ins Freie. Große Aufregung auf dem Platz und weder Schiedsrichter Köhler noch seine Kollegen an der Linie konnten das Geschehene aufklären. Erst nach hitzigen Diskussionen - unter anderem mit den Sportfotografen am Spielfeldrand! - stellte FCK-Torwart Manfred Hambeck klar: Jawohl, es war ein Tor! „Bravo, Sportsmann Hambeck“, titelte die Neue Fußballwoche danach und schlug ihn gleich für den UNESCO-Fußball-Fairness-Preis vor. [ ... ]
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Oberschleusen ohne Ende
Erinnerungen 70er und 80er Jahre (Teil 2)

[ ... ] Egal wohin die Reise ging, du hattest immer die gleichen Leute dabei. Und wenn dann eben die ganz großen Kultfahrten anstanden, da hast du dich eben drauf gefreut wie ein kleines Kind. Du hattest ja sonst nichts. Gut, du hattest deine Arbeit oder bist in die Lehre oder Schule gegangen. Aber so was wie heute, mit Computer und den ganzen Freizeitmöglichkeiten, gab’s ja nicht. Da hast du dich eben mit den Jungs vom Fanclub „Basica“ in der Träne in Bernsdorf getroffen, dich mit ihnen auf das nächste Spiel gefreut und dabei Mocca und Pfeffi gesoffen. Oder wir waren im Silbersaal oder sind bis zum Schlachthof, wenn mal gar nichts ging. Da gab es immer Schwarte, weil dort eben auch die ganzen Wolgadeutschen hin sind. Fanclub „Basica“ war die ganze Bernsdorfer Ecke, der Micha, das Gerdl und der Flachi. Das war so die Truppe, wo heraus dann auch später der Fanclub Südkurve entstanden ist.
Vor den Spielen, dass darf man nicht vergessen, war immer Seidels Bierhalle angesagt. Dort haben wir uns immer getroffen. Treffpunkt bei Auswärtsspielen war immer der Bahnhof. Die dortige Mitropa war so ziemlich die asozialste Absteige, die man sich vorstellen kann. Neben Seidels Bierhalle, versteht sich Ach, das war eine schöne Zeit. Viel Mocca! [ ... ]

Wenn wir in Berlin gespielt haben, sind wir oft schon freitags hochgefahren und haben dort grenznah am Hochhaus neben den Müllschluckern geschlafen. Der Bock hat sich nachts dort mal bis zum Hals in den Sand eingegraben, weil er gefroren hat wie ein Schwein. Und früh sind wir dann über den Alex in das Selbstbedienungsrestaurant am Fernsehturm und haben dort die erste aufgemacht. Und dann ging’s zum Spiel. In der Wuhlheide bei Union war vor dem Spiel meistens Ruhe. Da konntest du dich auch mal mit Leuten von denen unterhalten. Was dann während oder nach dem Spiel ging, war dann oft eine ganz andere Sache. Union, das war ja eine Macht da oben. Das war eine steile rot-weiße Wand und du standest dort mit deinen zehn, zwölf Leuten. Wenn die „Bähre“ da mal zugeschlagen hat und du hast gewonnen, bist du gelaufen. Aber ordentlich. Da bist du auch mal eine Viertelstunde vor Schluss gegangen. Wie auch bei Chemie Leipzig, wo es immer Senge gab. Du hast dort nach dem Spiel auf die S-Bahn gewartet und bist ja dort nicht weggekommen. Und irgendwann kamen die dann und hatten dich umstellt. Da gab’s dann Salz. Dabei warst du schon weit gekommen, wenn du es bis zum Bahnhof geschafft hattest. Der S. ist dort mal im Gebüsch mit einer Parkbank im Kreuz wieder aufgewacht. [ ... ]

Steht diesbezüglich unter operativer Kontrolle
Der Einfluss des MfS auf den FCK und die Fanszene

[ ... ]Durch konsequente Beobachtung und die Informationen der IM konnte sich der „VEB Horch & Guck“, wie das MfS in der DDR hinter vorgehaltener Hand genannt wurde, schnell ein Bild über die Zusammensetzung des harten Kerns der Karl-Marx-Städter Fans und dessen Treiben machen. In den Archiven der BStU finden sich Dokumente, welche die Dimension der Überwachung deutlich machen. Aus der Lageeinschätzung (BStU AZ:XX-1744 Überwachung des Fußballsports in der DDR) zur abgelaufenen Oberligasaison 85/86 geht hervor, dass von 20 Fanclubs des FCK Namen und Adressen aller Mitglieder bekannt waren. Darunter Mitglieder der Fanclubs Siegmar, Treffpunkt Familiy, York City, Mittweida oder Unkraut. Ende der 80er Jahre waren insgesamt 700 Fans des FCK in einer „Wer ist Wer?“ - Arbeitskartei der BV Karl-Marx-Stadt namentlich erfasst. Diese Kartei stützte sich auf Ermittlungsergebnisse von MfS und Polizei sowie die Registrierung der Fanclubs durch den Verein und hat bezüglich der Folgen für die einzelnen Fans wenig Aussagekraft. Auf weitere, zum Teil neu gegründete Fanclubs hatte man bereits ein Auge geworfen. Die operative Aufklärung und Durchsetzung stand hier unmittelbar bevor. Andererseits gab sich die Stasi auch beruhigt, wenn sich herausstellte, dass es sich bei den vermuteten »Fanclubs nach westlichem Vorbild« nur um lose Zusammenschlüsse von Jugendlichen handelte, die nach den Spielen wieder getrennter Wege gingen. In diesem Falle sah man meist von weiterführenden Maßnahmen ab, auch wenn man sich nicht ganz „aus den Augen verlor“. Traten die Anhänger hingegen auch außerhalb der Spieltage geschlossen auf, konnten sie sich einer genaueren Überwachung sicher sein. [ ... ]

Neben der genannten Vorbeugung und Unterbindung von Gewalttätigkeiten lag ein weiteres Hauptaugenmerk des MfS darauf, unter Strafe stehende staatsfeindliche Provokationen gegen die DDR oder auch ganz speziell gegen den als Vorzeigeverein missbrauchten BFC Dynamo zu unterbinden. Diese Vorgaben und deren geforderte konsequente Umsetzung durch die Sicherheitskräfte trieben aber durchaus auch kuriose Blüten. Ein schönes Beispiel dafür ist die Geschichte des Genossen Major U. Dieser war als Mitarbeiter der Karl-Marx-Städter Bezirksverwaltung der Staatssicherheit beim Oberligapunktspiel des FCK gegen den BFC im Februar 1982 im Einsatz. Nach der Einweisung im Führungspunkt begrüßte er die Berliner Kollegen Oberst K., Oberst R. und Stabsfeldwebel S. mit den Worten »Na, seid ihr wieder mit vierzehn Mann angereist?« Aus einer Aktennotiz vom 24.02.1982 (BStU AZ: L-90 Personalangelegenheiten) geht hervor, dass die Anwesenden darunter hätten verstehen müssen, dass Genosse U. die elf Spieler des BFC sowie den Schiedsrichter und die Linienrichter meine. Weiter heißt es, dass Genosse Oberst R. nun die Einleitung erzieherischer Maßnahmen gegenüber dem Genossen U. erwartete, da dieses Verhalten wohl nicht dem eines Mitarbeiters des MfS entsprechen konnte.  [ ... ]

Der FCK ist wieder da!
Ihr kriegt uns nie unter!

[ ... ] Der CFC überzeugte durch Nerven aus Stahl, eine vorbildliche mannschaftliche Geschlossenheit und die konsequente Umsetzung der taktischen Vorgaben Christoph Frankes. Damit machte man die technisch feinere Klinge manches Konkurrenten wett. Mit Ulf Mehlhorn, Torsten Bittermann, Thomas Laudeley, Sven Köhler und Lutz Wienhold standen Spieler im Kader, die er als Nachwuchstrainer des FCK selber ausgebildet und maßgeblich geformt hat. Diese routinierte Bank war das Herzstück der Chemnitzer Aufstiegself. Mit ihr stand und fiel alles. Doch in Chemnitz wurde auch eindrucksvoll bewiesen, dass Geld eben doch nicht alles ist. Mit einem Etat von 3,5 Mio. Mark verfügte man in der Aufstiegssaison über vergleichsweise wenig finanzielle Mittel. In dieser Statistik rangierte man im hinteren Drittel der Liga. In Zeiten, in denen es auf Grund der wirtschaftlichen Verhältnisse des ostdeutschen Fußballs unerhört schwer ist, sich zu behaupten, kann dieser Erfolg des CFC daher nicht hoch genug bewertet werden. Um sich finanziell nicht zu strapazieren musste man sogar die Heimspiele an Sponsoren verkaufen und die durch die gewaltige Siegesserie überbordende Ausschüttung der Siegprämien teilweise einfrieren. Bodenständigkeit hieß die Devise. Vielleicht blieb man genau deswegen von Allüren irgendwelcher Möchtegernstars verschont, mit denen sich der ein oder andere ambitionierte Konkurrent seinerzeit rumärgern musste.  [ ... ]

Aber all diese schönen Momente wären alsbald Schnee von gestern, wenn nicht wenigstens der Klassenerhalt bei rum kam. Zum großen Abstiegsfinale gastierte Winni Schäfers Millionaro-Truppe von Tennis Borussia auf der rappelvollen Fischerwiese. Die Berliner waren von ihrem hochgesteckten Ziel, dem Gewinn des Stratosphären- und Subaqua-Titels, meilenweit entfernt und hatten ebenfalls schwer zu tun, sich im Abstiegskampf schadlos zu halten. Trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, machten es die mit allen Wassern gewaschenen Brinkmann, Melzig, Rößler & Co. dem CFC erwartet schwer. Diesmal ließen sich Frankes Mannen aber nicht einfach so überfahren. Im Gegenteil. Nach guter Vorarbeit von Mehlhorn drückte Skela nach einer Viertelstunde zur Führung. Diese geriet zwischenzeitlich mehrfach in Gefahr, sodass man sich in Halbzeit Zwei ausschließlich auf das Verteidigen mit Mann und Maus konzentrierte. In dieser Situation ein für jeden Gegner fast aussichtsloses Unterfangen. Die violetten Unsympathen fanden gegen diesen Klotz keine Mittel. Der CFC brachte die knappe Führung mit einer geschlossenen und beeindruckenden Mannschaftsleistung über die Zeit und mit dem Schlusspfiff spielten sich für die Ewigkeit bestimmte Szenen ab. In der Euphorie des späten Nachmittags leuchteten zwei weiße Bengalos in der Südkurve auf und Tausende stürmten durch die geöffneten Tore den Platz, um den Klassenerhalt zu feiern, um zu singen und zu tanzen. Da läuft es mir heute noch kalt den Rücken runter.
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