Die Fans
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"Der Fußball ist ohne Fans überhaupt nichts. Die Fans sind das Lebenselixir des Spiels. Je eher die Leute dies verstehen, desto besser wird das Spiel."

Jack Stein, schottische Trainerlegende

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Auch wenn der Club in den letzten Jahren nie die große Masse anzog, auf die Fans die er hatte, konnte er sich immer und überall verlassen. Die Anhänger des CFC haben durch viel Galgenhumor bewiesen, dass mit ihnen stets zu rechnen ist. Sie stehen für Trotz, für Durchhaltewillen in ganz schlechten Zeiten und strengen sich gerade deshalb umso mehr an.

War der Karl-Marx-Städter Fußballsport in den 50ern und 60ern noch ein Ereignis für die breite proletarische Masse, traten mit der nachfolgenden Generation der Söhne die ersten neuzeitlichen Strömungen zu Tage. Erste Fanclubs wurden gegründet und viele vornehmlich jugendliche Fans entdeckten das Stadion als Erlebniswiese für sich, übernahmen die Fankultur aus anderen Ländern. Auf den Rängen wehte nun ein rauerer Wind. Auch das Fahren zu den Auswärtsspielen wurde zur Gewohnheit, wenn auch anfangs nur kleine Gruppen bereit waren, die Strapazen der weiten Fahrten auf sich zu nehmen. Bei den Heimspielen war dafür umso mehr los. In den 70er Jahren bevölkerten nicht selten mehr wie 20.000 Fans das Stadion, bei Knallerspielen wie gegen Dynamo Dresden oder Magdeburg kamen gar fast 30.000.

Gab es anfangs unter den Fans noch viel Cliquenwirtschaft, entwickelte sich gegen Ende der 70er Jahre auch in Karl-Marx-Stadt ein fester Zusammenhalt, denn das war die einzige Möglichkeit, der zahlenmäßigen Übermacht der anderen Vereine etwas entgegensetzen zu können. Die ersten Fanclubs hießen „Basica“, „Fortuna“ oder „Siegmar“, um mal die wichtigsten Vertreter zu nennen. Treffpunkt an den Spieltagen war in der Regel eine üble HO-Wohngebietsgaststätte wie beispielsweise die Parkschänke auf der Wartburgstraße oder auch die Mitropa auf dem Bahnhof. Auch Utensilien wie Zaunfahnen oder die mit Aufnähern und Sprüchen überzogenen Kutten fanden ihren Einzug in die Fanszene.



Mit der wachsenden Unzufriedenheit in der DDR verkam der Fußball zunehmend zum Politikum. Vor allem Spiele gegen den als Vorzeigeverein missbrauchten BFC Dynamo hielten regelmäßig für Volkes Zorn her. Der Schutz der Masse bot dem aufmüpfigen Bürger da durchaus Möglichkeiten. Auch wenn man der Staatsicherheit heute die totale Überwachung nachsagt, so etwas wie die heute übliche Totalüberwachung der Stadien gab es damals noch nicht. Dennoch verlangte die Partei die konsequente Unterbindung solcher Vorkommnisse durch die Sicherheitskräfte, was einen Kreislauf der Gewalt in Gang setzte und als eine der Hauptursachen für die Eskalation in den Stadion in den 80ern gesehen werden darf.

Mit dem Fall der Mauer lag der Ostfußball am Boden. Viele traditionsreiche Vereine wie Chemie Halle, Stahl Brandenburg oder Union Berlin versanken im Niemandsland. Die Stadien leerten sich auf dramatische Weise. Der Gezeitenwandel in Deutschland ließ nur wenig Platz für den alten Ostfußball, beziehungsweise dem, was davon noch übrig war. So zog auch in Chemnitz graue Tristesse ein, was natürlich auch auf den Umzug ins Sportforum zurückzuführen ist, welches von den Fans nie richtig angenommen wurde. Auch der Absturz in die zweite Liga, viele neue unbekannte Spieler und der Verlust der alten Oberligatraditionen machte sich deutlich bemerkbar. So verloren sich meist nur 2.500 – 3.500 Zuschauer im weiten Rund. Von ansteckender Fußballatmosphäre konnte da keine Rede sein.



Erst nach dem Abstieg 1996 und dem Umzug auf die gute alte Fischerwiese besann man sich in Chemnitz langsam wieder auf seine Wurzeln. Die Derbys gegen alte Rivalen boten doch viel mehr Spannung und Dramatik als das langweilige Gebolze gegen Darmstadt oder Mainz 05 vor einem fast leeren Stadion. Beim Chemnitzer FC entwickelte sich wieder eine attraktive Fankultur und der Wiederaufstieg 1999 brachte diesbezüglich noch mal einen ordentlichen Schub. Im ersten Zweitligajahr wohnten im Schnitt 8.000 Fans den Spielen bei.

Doch auch in ganz schlechten Zeiten stehen die Fans ihrem Club bei. Schon im zweiten Zweitligajahr wurden die Anhänger auf eine harte Probe gestellt, doch der grausame Abstieg und der folgende weitere Verfall des ehemals bundesweit geachteten Vereins konnten die treuesten der Treuen nicht erschüttern. Selbst heute, in der vierten Liga, weiß der CFC viele Fans hinter sich. In Chemnitz hat sich eine feste Gemeinschaft gebildet. Veteranen und Fans der neueren Generation halten zusammen, gehen zum Club und feiern sich und ihre Jungs. Das liegt natürlich auch darin begründet, dass es hier, in der Oberliga, erstmals seit Jahren wieder ansehnlichen Fußball zu sehen gibt. Das Zeitalter der charakterlosen Fußballsöldner ist – vorerst – vorbei. Die vielen jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs machen die Identifikation mit dem Verein um ein vieles leichter. Nicht zuletzt auch deshalb erreicht die Stimmung bei Heim- und Auswärtsspielen wieder Höchststände.

Wie immer die nähere Zukunft beim Club aussehen wird, die Fans gehen mit!



Bilder: Privat, Programmheft CFC, BStu Außenstelle Chemnitz
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